Was ist Prokrastination?

Themen, die irgendwie mit oder doch nicht mit Prokrastination zu tun haben.
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JavaBohne
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Was ist Prokrastination?

Post by JavaBohne » Wed 8. Aug 2018, 11:16

Hallo Foristen,

Ich moechte eine kleine Diskussion anstossen, die zum Thema hat "Was ist Prokrastination". Dazu gebe ich einen kleinen Auszug aus Wikipedia, Thema: Prokrastination wieder.

Zitat Wikipedia.de: "Prokrastination (lateinisch procrastinare „vertagen“; Zusammensetzung aus pro „für“ und cras „morgen“), auch extremes Aufschieben, ist eine Arbeitsstörung, die durch ein nicht nötiges Vertagen des Arbeitsbeginns oder auch durch sehr häufiges Unterbrechen des Arbeitens gekennzeichnet ist, sodass ein Fertigstellen der Aufgaben gar nicht oder nur unter enormem Druck zustande kommt. Dies geht fast immer mit einem beträchtlichen Leidensdruck einher.

Pathologisches Aufschieben muss unterschieden werden vom alltäglichen Trödeln, zum Beispiel vom Aufschieben bei aversiven Aufgaben, das viele Menschen kennen (nur 1,5 % einer studentischen Population berichteten, gar nicht aufzuschieben), dem Vertagen von Aufgaben aufgrund anderer, nötiger Prioritätensetzung sowie einem erfolgreichen Arbeiten kurz vor einer Frist, wodurch es weder zu Leistungseinbußen noch zu subjektivem Leiden kommt. Während umgangssprachlich häufig vom „Studentensyndrom“ gesprochen wird, handelt es sich bei Prokrastination um eine in der Gesamtpopulation vorkommende Arbeitsstörung, die besonders bei Personen zutage tritt, die hauptsächlich selbstgesteuert arbeiten müssen (z. B. Studenten, Anwälte, Journalisten, Lehrer). Betroffene leiden meist dauerhaft darunter, berichten teilweise, bereits zu Schulzeiten Probleme gehabt zu haben, und erleben dies auch in ihrem späteren Berufs- und Privatleben.

Das Gegenteil der Prokrastination ist die Präkrastination.[1]
Zitat Ende
Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Prokrastination, erster Absatz, 08-08-2018


Wie denkt ihr ueber Prokrastination? Was bedeutet die Prokrastination fuer euch? Den Titel zum Thema seht bitte locker. Jede Erweiterung des Themas ist ausdruecklich erwuenscht.

Viele Spass,
JavaBohne

Bibabutzefrau
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Re: Was ist Prokrastination?

Post by Bibabutzefrau » Thu 9. Aug 2018, 19:30

Hallo Javabohne,
das macht aber nicht sehr viel Spass, was du da von uns Foristen möchtest. (Scherz)
Ich wollte lieber eigentlich den Foristen (ein lustiges Wort. Ich bin als Frau dann eine Foristin, nicht wahr? Klingt ähnlich meinem Wunschberuf: Floristin) den Vortritt lassen die hier schon lange sind und sich bestimmt besser auskennen. Sie schreiben aber vielleicht niemals weil viele von ihnen sehr inaktiv sind. Na schön ich fange an:
Ich denke die Prokrastination ist die Krankheit die mich vom glücklich Sein abhält. Ich bin nicht dumm. Studium hat lange gedauert na ja. Wie sicher bei vielen von uns. Studentenkrankheit? Vielleicht. Aber ich habe Talente und Fähigkeiten und sie treten nicht ans Licht der Welt weil ich manchmal schon den Tag mit Aufschieben anfange und gar nicht erst aufstehen will.
Prokrastination ist meine persönliche Bremse. So leide ich unter Stillstand und Minderwertigkeitsgefühlen. Wir kennen den Teufelkreis alle.
Ich denke es ist genetisch. Meine Eltern haben auch viele Sachen aufgeschoben. Nur um mich haben sie sich immer gut gekümmert.
Ich hasse die Prokrastination weil sie mich zwingt mich selbst zu hassen.
Eure Foristin-Kollegin Babette die Bibabutzefrau

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JavaBohne
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Re: Was ist Prokrastination?

Post by JavaBohne » Thu 9. Aug 2018, 22:40

Hallo Babette,

weisst du, wenn du schreibst "Hallo Foristen" sind laut Grundlagen der geschriebenen Deutschen Sprache ausnahmslos alle Teilnehmer des Forums gemeint. Das Geschlecht spielt dabei keine Rolle, obwohl der Plural feminin gebildet wird, wie alle Plurale in der Deutschen Sprache - nun hoffe ich, dass meine letzte Aussage zu 100% stimmt, aber mir faellt keine Ausnahme ein (lach).

Nun, das Problem der Prokrastination beginnt bereits mit der Kategoriesierung. Die Wissenschaftler koennen sich nicht einigen, ob sie eine Krankheit, eine Persoenlichkeitsstoerung oder nur eine schlechte Angewohnheit ist. Denn die Prokrastination erfuellt die Anforderungen aller drei Kriterien oder Kategorien, wie du moechtest.

Grundsaetzlich laesst sich die Prokrastination in zwei Hauptgruppen einteilen. Die studentische/akademische Prokrastination und die pathologische/chronische Prokrastination. Erstere erfuellt sowohl das Kriterium der Stoerung als auch der Angewohnheit. Sie ist therapierbar und heilbar! Letztere hingegen ist krankhaft. Das heisst, nicht heilbar und entzieht sich fast immer jeder therapeutischen Anstrengung (ich vermeide hier absichtlich den Passus "nicht therapierbar").

Woher kommt die Prokrastination? Sie wird einerseits als "von den Eltern abgeguckte" schlechte Angewohnheit - also antrainiert, oder als Persoenlichkeitsstoerung - somit psychologisch, und im zunehmenden Masse (habe kein sz) als vererbbar/ererbbar, also genetischen Ursprungs angesehen - und somit chronisch krank in der Bedeutung von "geht nicht mehr weg" (lach).

Wenn du diese Aussagen ansiehst, verstehst du, warum es bis zum heutigen Tage keine nachhaltige Therapie gegen die Prokrastination gibt, bzw. geben kann.

Viele Gruesse,
JavaBohne

Trödeltrine
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Re: Was ist Prokrastination?

Post by Trödeltrine » Sat 11. Aug 2018, 15:09

Hallo JavaBohne,

von feminin gebildetem Plural hab ich ja noch nie gehört, wo hast Du das denn her? Sorry, off topic...

Apropos: Ich kapiere einfach nicht, wie die Struktur des Forums gedacht ist. Die Frage danach, was Prokrastination eigentlich ist, halte ich für sehr zentral. Dass sie jetzt unter "Sonstiges" steht, wo es laut Beschriftung des Bereiches um "Themen, die irgendwie mit oder doch nicht mit Prokrastination zu tun haben" gehen soll, irritiert mich doch sehr.
Ja, alle anderen Bereiche passen auch nicht so richtig. Aber vielleicht fehlt einfach ein Bereich, z.B. mit dem Titel "Prokrastination allgemein - Definitionen, Arten und Unterarten, Forschung und Diskussion der Grundlagen" oder so...
Nur so als Anregung.

Übrigens sind nicht alle Folgen genetisch bedingter Störungen und chronischer Erkrankungen therapierestistent, und nicht alles krankhafte ist auch gleich unheilbar. Bitte sei vorsichtig, was Du da in die Welt setzt.

Meine Meinung ist: Wenn sich die Prokrastination oder Deine Prokrastination allen bisherigen therapeutischen Interventionen widersetzt, dann sagt das zum gegenwärtigen Zeitpunkt der Prokrastinations- und der Therapieforschung noch nicht viel aus, denn es wurde schlicht noch nicht annähernd alles erforscht, was sinnvoll und naheliegend ist.
Zum Beispiel hab ich noch von keiner Studie gehört oder gelesen, die Prokrastination mit einer tagesklinischen Behandlung anzugehen versucht. Es wird ständig die Einzelperson bearbeitet, während wir doch wissen, dass auf nicht wenige psychologische und sogar psychiatrische Erkrankungen manchmal erfolgreicher mit gruppentherapeutischen Maßnahmen eingewirkt werden kann.

Meine Antwort auf die Frage "Was ist Prokrastination" lautet:
Eine Störung, Persönliche Angewohnheit oder Erkrankung, die die Betroffenen stark beeinträchtigt, noch viel zu wenig erforscht ist und für die gegenwärtig noch keine für die Mehrheit der Betroffenen wirksame Behandlung bekannt ist.


Zum Schluss dieses langen Beitrags kommt nun ein kleiner Appell von mir.

An alle, die hier schreiben:
In diesem Forum schreiben (leider) zur Zeit sehr wenige Menschen. Ich vermute aber stark, dass viele hier lesen, dass die Klickzahlen nicht nur Bots und Suchmaschinen sind.
Wir haben darum eine gewisse Verantwortung, was wir hier öffentlich über das Thema Prokrastination schreiben.

Ich persönlich lese und schreibe hier, weil ich meinen Mut und meien Zuversicht stärken möchte und weil ich in diesem Zusammenhang auch anderen Betroffenen Mut und Hoffnung machen möchte, nach Wegen zu einem besseren Leben mit weniger (oder im Idealfall ganz ohne) Prokrastintation zu suchen. Ich glaube, dass viele, die hier lesen, auch auf der Suche nach Besserung sind, oder zumindest nach Ermutigung und Hoffnung.
Ich bin nicht dafür, unrealistische Versprechungen in die Luft zu blasen. Aber wir sollten auch vorsichtige sein mit unbewiesenen Vermutungen zur Unheilbarkeit der Erkrankung.
Ende des Appells.

Wenn mir jemand stichhaltig und unwiderlegbar beweist, dass Heilung unmöglich ist, dann gebe ich Ruhe - vorher nicht.
Sorry JavaBohne, aber so sehe ich es. Meinungsvielfalt! *lach*
Nun mögen sich die Lesenden selbst ein Bild machen.

Nix für ungut und ein schönes Wochenende noch!
T.

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JavaBohne
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Re: Was ist Prokrastination?

Post by JavaBohne » Sat 11. Aug 2018, 16:38

Hallo Troedeltriene,

vielen Dank fuer deinen langen Beitrag. Nun, ich denke schon, dass dieses Thema sehr gut in "Sonstiges" passt. Siercherlich laesst sich ueber die Beschreibung streiten, aber hier kann man sich themenmaessig nicht verrennen oder off-topic schreiben, weil man doch in "Sonstiges" schreibt und hier alles reinpasst.

Die Foren: Therapie, Selbsthilfegruppen, etc. sollten nicht mit langen Diskussionen vollgeschrieben werden. Deshalb erlaube ich mir Themen zu spalten und zu verschieben, um die Themengruppen sauber und uebersichtlich zu halten. Sicherlich koennen wir uns darueber unterhalten, ob es Sinn macht fuer mehr Vielfallt zu sorgen und deine vorgeschlagenen Themen als eigenstaendige Forum mit aufzunehmen. Dazu bin ich zu einem spaeteren Zeitpunkt gerne bereit.

Zu deiner Kritik nur ganz kurz. Wenn du Meinungsfreiheit fuer dich einforderst, solltest du sie auch fuer andere gelten lassen, z. B. fuer mich! Aber natuerlich schreibe und behaupte ich nur das, was ich selbst auch beweisen kann, wenn ich muss.

Hier ist ein Interview, dass mit Frau Prof. Dr. Katja Kanzler gefuehrt wuerde.
https://campusradiodresden.de/2015/02/2 ... andhabbar/

Das ist natuerlich nur ein Link von vielen, aber ich denke, bereits damit bin ich deinem Wunsch nachgekommen, dir aufzuzeigen, dass die "JavaBohne" nicht schreibt, ohne es belegen zu koennen.

Im Uebrigen findest du im gesamten Forum unzaehlige Links von mir, die immer wieder meine Aussagen untermauern, egal welche Informationen von mir kommen. Dennoch, bleib wie du bist und sei weiterhin kritisch. Das gefaellt mir (smile).

Viele Gruesse,
JavaBohne

Trödeltrine
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Re: Was ist Prokrastination?

Post by Trödeltrine » Tue 14. Aug 2018, 10:07

Ach JavaBohne,

ich schreibe hier doch nicht, damit es Dir gefällt. (smile) Und ich brauche auch keine Erlaubnis von Dir, so zu bleiben wie ich bin (ebenso wenig wie dafür, mich zu verändern).

Ich hab's eigentlich schon so ziemlich aufgegeben, hier Meinungsfreiheit für mich einzufordern. Dazu hast Du mir in der Vergangenheit durch Verschieben, Löschen und Bannen allzu klar gemacht, dass die hier nicht für alle gilt wenn dem Moderator was nicht passt. Ich schrieb von Meinungsvielfalt, die ich nach wie vor wünschenswert finde.

Und ich wüsste nicht, wo ich Deine Meinungsfreiheit in Frage gestellt hätte. Ich bat lediglich um Belege für Behauptungen und wies darauf hin, dass Rückschlüsse wie "krankhaft - das heißt nicht heilbar" sachlich falsch sind. Klar kannst Du schreiben und meinen was Du willst, tust Du ja auch. Ich reagiere dann halt darauf und schreibe, dass ich Deine Meinung teile - oder auch nicht. Und schon sind wir im Gespräch und können beide dazulernen, wenn wir wollen. :-)
Oder was verstehst Du unter Meinungsfreiheit?

Ich finde es sehr interessant, wie viel Diskussionsstoff sich ergibt aus der Frage, was Prokrastination eigentlich ist! Und ich freue mich über Deine Bereitschaft, künfitg auch über die Einrichtung weiterer entsprechender Bereiche im Forum nachzudenken.

Die Professorin in dem von Dir dankenswerterweise verlinkten Interview (über eine "Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten" an der Uni Dresden, also handelt es sich wohl um das "studentische Prokrastinieren"...) ist lobenswert engagiert, jedoch ist sie keine Prokrastinationsexpertin, sondern Literaturwissenschaftlerin.
Sie sagt, Prokrastination sei natürlich nicht völlig heilbar weil sie eine menschliche Eigenschaft sei (wohl nach dem Motto: jeder verschiebt mal was unbequemes auf später...) Inwiefern ich das Interview jetzt als Beleg für irgendetwas auffassen soll, erschließt sich mir daher noch nicht ganz. Aber vielleicht meintest Du eine andere Stelle, die ich überhört habe? Dann wäre ich froh über einen Hinweis und höre noch mal rein.

Allerdings frage ich mich manchmal schon, wo der Sinn dieser Diskussion eigentlich liegt. Worum geht es denn eigentlich? Doch darum, dass schon die Definition von Prokrastination schwierig ist und um so mehr die Wege, damit zurecht zu kommen bzw. sie zu lindern oder im Idealfall gar weitgehend los zu werden (falls das möglich ist). Oder?

Wenn die Meinungen darüber so sehr geteilt sind, sollte vielleicht - und Vorsicht, jetzt bitte die Worte nicht auf die Goldwaage legen, ein Hauch von Schalk und humorvoller Überspitzung schwebt zwischen den Zeilen!!! - auch das Forum einfach in zwei Hälften geteilt werden:
- ein Bereich für Verrückte wie mich, die in ihrem Veränderungswahn (fast) alles tun würden, um endlich ein so weit wie möglich von den Qualen der Folgen der Prokrastination befreites Leben genießen zu können, und darum mit ihrem fast schon querulatorischen Eifer dauernd das Forum aufzumischen versuchen...
- und der andere Bereich für die weisen, einsichtigen Herrschaften wie Dich, die sich ganz nüchtern und abgeklärt mit den traurigen Tatsachen abfinden und begriffen haben, dass das Elend so unendlich wie unabänderlich ist und eigentlich nur noch in sauberen übersichtlichen Foren verwaltet werden kann, bis vielleicht eines Tages doch die Wunderpille entwickelt wird.
Oder vielleicht braucht es eine Einteilung in drei Drittel, falls die Wahrheit irgendwo dazwischen liegt... ;-)
Möge die Weisheit des Moderators die humorvolle verdeutlichende Überspitzung erkennen und mein Schreiben diesmal vor der Zensur bewahrt bleiben *lach*

Es gibt übrigens Prokrastinations-Selbsthilfegruppen, die nach dem von den Anonymen Alkoholikern entwickelten 12-Schritte-Konzept arbeiten. Z.B. Pcorastinators Anonymous. Ich weiß nicht, wie lang es die schon gibt und wie erfolgreich sie sind, aber ich nehme an, dass sie - sollte die Pathologische Prokrastination tatsächlich mit der Alkoholkrankheit vergleichbar sein - von zweierlei ausgehen:
1. Das Problem begleitet uns ein Leben lang.
2. Es gibt Dinge die wir tun können, um trotzdem ein gutes Leben zu haben.
Alkoholismus ist nicht heilbar, aber mittels Therapie und Selbsthilfe kann man Jahre und Jahrzehnte trocken sein und damit frei von den Folgen des pathologischen Alkoholkonsums leben. Wenn's das auch für uns gibt (was wäre das Äquivalent zu "trocken"? "Tätig" oder so?) wäre das doch schon mal was, oder?
(Übrigens experimentiert die Münchner SHG seit über einem Jahr auch mit dem 12-Schritte-Konzept... Die hat nur bisher noch keine Interviews dazu geben dürfen...)

Einen guten Tag und viele Grüße,
Trödeltrine

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