Huhu ihr Lieben
Nachdem ich gestern meine ganze Überwindung zusammen genommen habe und meine Post geöffnet habe, verließ mich meine Euphorie
Kurzum ich habe bis heute gar nix gemacht. Außer recherchiert ein bisschen.
Aber der Anruf ist morgen früh fällig. Ich will keinen Besuch.
Dafür habe ich viel mit meiner Schwester philosphiert und gerätselt, mit meiner Mutter mich unterhalten, die mir Tipps gab zum Thema geldliche Unabhängigkeit zu erlangen.
Meine Mitmenschen beobachten mich ja zwangsläufig viel und ich schildere mal wie ihnen meine Situation vorkommt bzw wie sie mich erleben (ob ich mich jetzt mit Allem identifizieren kann, kann ich nicht sagen, das eine oder andere haben sie sicher aber richtig erkannt oder ich kann dem zumindest zustimmen):
Zunächst einmal vermuten sie, dass mein Handeln bzw eben nicht zu handeln nie greifbare Konsequenzen hatte. Wenn ich verschlafen hatte, etwas verschusselt habe etc, wurde ich nicht gefeuert, oder nie abgemahnt usw. Wenn ich etwas nicht bezahlen konnte, wurde es mir bezahlt. Die Konsequenzen werden eben erst so nach und nach deutlich, ich komme nicht voran, das ist die große Konsequenz aus meinem bisherigen Handeln. Mit diesem Punkt muss ich auch übereinstimmen, denn in der Tat bin ich iwie immer glimpflich davon gekommen. Solche Konsequenzen wie jetzt, dass es eben ernst wird, gabs bei mir nur selten und immer erst dann, wenns dann richtig knallt, wie eben die Konsequenz, dass sich mein Freund damals trennte aufgrund meiner Eifersucht. Also iwie hat es immer erst ne richtige Schelle nötig um mich aufzuwecken. Weil es sonst keine kleineren Konsequenzen gibt. Ich weiß auch nicht woran das liegt, dass man bei mir keine Konsequenzen zieht. Keine Ahnung. Vllt weil ich mich an Menschen halte, bei denen ich weiß dass es so ist.
Denn das führt mich zum nächsten Punkt, der angesprochen wurde, nämlich dass ich nie gelernt habe überhaupt selbstständig zu leben. Das liegt daran dass meine langjährige Beziehung im Alter von 17 begann, das heißt die Abhängigkeit von meinen Eltern wurde nahtlos durch die Abhängigkeit von meinem Partner ersetzt. Ich habe mich von einem auf den anderen gestützt. Ich musste nie allein zurecht kommen. Ich habe es nicht gelernt. Daher würde es mir schwer fallen, mich mal auf niemanden zu stützen und meine Sachen allein zu bewerkstelligen. Das führte zum nächsten Punkt (den ich in irgendeinen vorangegangenen Post schon mal erwähnte). Dass ich Dritte als meine Sicherheit brauche. Generell, nicht nur was finanzielles angeht. Dass ich nicht loslassen bzw mich nicht loslösen kann. Und dass mich das hemmen würde endlich mein Leben eigenständig zu leben. Genauer Wortlaut meiner Schwester: ''Lass los und leb endlich, dann fühlst du dich auch nicht mehr gehemmt''. Ich hemme mich also selbst unbewusst um die Sicherheit nicht zu verlieren. Ich schätze diese Punkte kann ich so anerkennen. Natürlich habe ich auch schon Dinge allein bewerkstelligt, aber eben nur Punkte, bei denen einen einfach niemand helfen kann. Wie die Angst zu bekämpfen, mich selbstständig machen, lernen, generell an mir zu arbeiten. Das kann mir ja keiner abnehmen. Da muss es am Ende bei einem selbst klick machen. Nur begann die Prokrastination ja schon früher, bereits früh in der Schulzeit nach der Grundschule.
Da würde ich den Punkt gern aufreifen, den Javabohne sagte: Ich will unbewusst nicht erfolgreich sein. Nur warum? Nun neben dem was JavaBohne schon gesagt hat (was ich ebenfalls für plausibel halte) will ich noch ein paar Punkte ergänzen. Erfolg bringt viele Vorteile, aber auch so einige Nachteile. Die Erwartungen steigen. Erfolg kann bzw muss man immer steigern um weiterhin Erfolge zu haben. Was ist aber wenn ich mich nicht mehr steigern kann? Wenn ich höhere Erwartungen, sei es meine eigenen an mich oder die der Anderen an mich, die der Erfolg mit sich bringt, nicht erfüllen kann? Wenn das dann Enttäuschung hervorruft? Wenn das was ich eigentlich liebe mich plötzlich unzufrieden macht, weil es Enttäuschungen hervorruft? Die Anwtort ist einfach: Drüber stehen, sich nicht unter kriegen lassen, weiter machen. Nur muss ich definitiv sagen dass mir der Gedanke Angst macht. Irgendwann an einem Punkt angekommen zu sein, an dem keine Steigerungen, keine neuen Erfolge möglich sind. Dabei könnte man sagen, dass jeder Tag, den ich zb mit meinem Nageldesign zufriedenstellend hinter mich gebracht habe, ein Erfolg ist. Aber ich habe iwie Angst dass das dann schon alles war. Dass ich dann mit dieser Sache kein neues Ziel verfolgen kann außer es täglich zu bewerkstelligen. Vllt klingt das Blöd, aber ich befürchte, dass ich nicht nur Angst habe mich loszulösen, sondern auch Angst habe, irgendwo dann anzukommen ohne neue Veränderungen. Oder dass Ankommen gleichbedeutend ist mit erneuter handlungsunfähigkeit mich weiter entwickeln zu können. Ich schätze ich betrachte die einzelnen Punkte im Leben manchmal zu differenziert voneinander. Wenn man Pläne macht ist das hilfreich differenziert zu planen, aber am Ende ist doch all dies insgesamt mein Leben. Vllt sollte ich iwann mal akzeptieren dass bei einem Punkt ankommen nicht gleich bedeutet, mich in meinem Leben insgesamt nicht mehr weiter entwickeln zu können. Aber das ist momentan echt noch verworren und ich bin nicht sicher, ob ich das so schon stehen lassen kann. Ich reflektiere noch sehr viel

Die nächste negative Sache die Erfolg mit sich bringt ist Aufmerksamkeit. Zum einen bin ich es gewohnt von den Menschen eher negative Aufmerksamkeit zu bekommen und halte mich daher vllt wieder daran fest, weil dann alles im Gewohnten und Vertrauten bleibt. So ungefähr: Ach sie hats schon wieder nicht hingekriegt, naja war ja zu erwarten. Ich glaube damit kann ich besser umgehen, weil ich es gewohnt bin, anstatt dass die Leute plötzlich auf mich zu kommen und mich zu Tode loben oder begeistert sind. Sowas ist mir immer unangenehm, Komplimente im Allgemeinen. Ich dachte mit dem Selbsthass hätte sich das erledigt, aber es ist noch heute so, dass ich nicht gerne Kompimente kriege. Klar freue ich mich und stelle ohnehin niemanden meine Arbeiten vor wenn ich nicht zuvor selbst damit zufrieden bin, aber ich weiß nie wie ich darauf reagieren soll, empfinde es richtig als unangenehm. Ich glaub einfach, ich halte mich da wieder an Gewohntes und Vertrautes, um meine Sicherheit zu behalten.
Des weiteren bringt Erfolg auch immer einen gewissen Grad an Öffentlichkeit. Heutzutage mehr denn je. In einer Mediengesteuerten Gesellschaft kommt man leider auch nicht drum rum, diese mit einzubeziehen, wenn man seinen Erfolg steigern will. Und das widerstrebt mir sehr. Mir ist meine Privatsphäre ungemein wichtig. Das bringt auch wieder mit sich, dass man öffentlich misskreditiert werden kann. Kritik ist ok, daraus lernt man, auch wenn sie öffentlich ist, aber mutwillig und böswillig angegangen zu werden öffentlich und unwiderrufbar (wir wissen, das www löscht nichts komplett, verbreitet Gerüchte schnell und Leute wollen die Rechtfertigung oft gar nicht hören, weil Skandale viel mehr Spaß machen) damit hätte ich ein großes Problem, da steht man nicht mehr einfach so drüber. Mag sein dass ich damit schon schlechte Erfahrungen gemacht habe, aber wer hat das nicht? Nichts was ich bisher erlebt habe war jemals rufschädigend, sondern nur nervig. Also bin kein gebranntes Kind, scheue das Feuer aber trotzdem schon, weil ich den Gedanken nicht ertragen könnte. Auch da halte ich mich lieber an Vertrautes.
Das wird zb deutlich dass ich wieder an die Tankstelle zurück bin. klar war in der Not die einfachste und schnellste Lösung aber eig auch nur als Übergang gedacht, nur hab ich mich nicht mal ansatzweise nach was Neuem umgesehen seither. Vor mir her geschoben mit der Ausrede, dafür jetzt keinen Nerv zu haben. Dabei findet mein Leben doch genau jetzt statt. Das ist es was mich an der Prokrastination am meisten nervt. Man verpasst sein Leben nur weil man sich selbst hemmt. An den Gewohnheiten festhält damit man seine Sicherheiten behält

Dabei reicht mir eigentlich die Sicherheit die mir meine Menschen geben. Der Rest kann gern kommen wie er will. Vllt liegt aber auch hier das Problem. Vllt sollte ich mir mal mehr Menschenunabhängige Sicherheiten schaffen, damit ich mich lösen kann. Aaach alles so kompliziert

Fest steht, den richtigen Mittelweg, der für mich funktioniert, hab ich noch nicht gefunden.
Aber nunja daher bin ich ja froh dass für mich mein Problem nun greifbar geworden ist und ich daran arbeiten kann. Ich hoffe euch nerven meine Romane nicht, ich brauche dieses Reflektieren für mich selber und teile dies auch immer gern mit anderen. Wenn ich das nur für mich behalte, überschlagen sich sonst meine Gedanken

vllt ist grübeln ja auch so ne Sache.....
Ja ich finds auch schön dass wir uns hier gegenseitig helfen und bedanke mich wieder für eure letzten Posts, die mir wieder sehr geholfen und ermutigt haben
Ich meld mich sobald ich den Anruf getätigt habe

Den würde ich am liebsten unendlich weit weg schieben, was aber absolut nicht machbar ist

Danach hab ich sicher eh wieder Redebedarf
Liebe Grüße und gute Nacht :*
@Blockflöte: Danke und ich finds interessant auch mal die andere Seite zu hören

Ich hoffe mein Sachbearbeiter ist auch nicht so streng

**Wer einen Engel sucht und nur auf die Flügel schaut, könnte eine Gans nach Hause bringen.**
-Georg Christoph Lichtenberg-